Kurz: Orientierungsrechnung, keine Prämienkalkulation und keine Einzelfallzusage. Individuelle Tarife und Obliegenheiten prüfen wir auf der Seite Ablauf.
Marktlage: Was Studien wirklich sagen
Laut HDI Cyberstudie 2026 (Befragung von rund 1.100 KMU-Entscheidern in Deutschland) stufen 60 % Cyberschäden als relevantes Risiko ein. 31 % halten es für hoch oder eher hoch, in den nächsten zwei Jahren Ziel einer Attacke zu werden. Rund 35 % berichten, in den vergangenen fünf Jahren mindestens einmal attackiert worden zu sein.
Die durchschnittliche Schadenhöhe bei erfolgreichen Angriffen lag laut HDI bei rund 25.000 € – in Vorgängerstudien seit 2022 mindestens 68.000 €. Das kann bedeuten: Unternehmen reagieren schneller, Angriffe werden früher eingegrenzt.
Für Ihre Planung ist der Durchschnitt aber nicht der relevante Wert. Wer umsatz-, produktions- oder mandantenabhängig an IT hängt, rechnet im Ernstfall eher mit mehreren Kostenblöcken gleichzeitig. Rund jedes dritte Unternehmen sieht bei einem massiven Cyberschaden die Existenz gefährdet. Mehr Kontext: HDI Cyberstudie 2026 im Klartext · DMB Risiko-Report Mittelstand 2026.
Drei Kostenblöcke
Unternehmen denken oft zuerst an „Hacker“ – die Rechnung kommt aber in drei Blöcken. Genau diese Bausteine sollte eine sinnvolle Cyberdeckung adressieren:
- Betriebsunterbrechung: entgangener Umsatz, Stillstandskosten oder Mehraufwand, solange ERP, Produktion, Praxis, DMS oder kritische Systeme ausfallen
- Eigenschäden: Forensik, Bereinigung, Wiederherstellung von Systemen, Daten und Zugängen
- Datenschutz & Krisen: Anwalt, Meldungen, Betroffeneninformation, Kommunikation – je nach Vorfall
Details zu den Muss-Bausteinen: FAQ Leistungsumfang.
Faustformeln
Umsatzgetriebene Betriebe: Tagesumsatz × Ausfalltage × IT-Abhängigkeit (in Prozent). Bei 250 Arbeitstagen im Jahr: Jahresumsatz ÷ 250 ≈ Tagesumsatz.
Produzierende Betriebe: neben entgangenem Umsatz zählen Stillstandskosten, Lieferverzug, Wiederanlauf und ggf. Vertragsstrafen. Ein Produktionsstopp kann teurer sein als der reine IT-Posten.
Dazu kommen IT- und Datenschutzkosten in fast jedem ernsthaften Vorfall – unabhängig von der Branche.
Rechenbeispiele nach Branche
Die folgenden Beispiele sind verdichtet und gerundet – sie sollen Größenordnungen zeigen, keine Prognose für Ihren Betrieb. Sie orientieren sich an typischen Szenarien aus unserem Schadenrechner.
| Branche | Profil | Szenario | Orientierung Gesamtschaden |
|---|---|---|---|
| Handwerk | ca. 800.000 € Jahresumsatz | 4 Tage ERP / Auftragswesen (Ransomware-ähnlich) | ca. 25.000–70.000 € |
| Produktion | ca. 2 Mio. € Jahresumsatz | 5 Tage Produktions-IT + Stillstand | ca. 80.000–250.000 € |
| Kanzlei | ca. 1,2 Mio. € Jahresumsatz | 4 Tage DMS / E-Mail-Ausfall | ca. 35.000–95.000 € |
| Arztpraxis | ca. 1,2 Mio. € Jahresumsatz | 4 Tage PVS / Praxis-IT | ca. 30.000–85.000 € |
| IT-Dienstleister | ca. 600.000 € Jahresumsatz | 4 Tage Kompromittierung + Kundensysteme | ca. 40.000–120.000 € |
Handwerk: ERP steht, Aufträge stapeln sich
Ein Handwerksbetrieb verliert durch Verschlüsselung den Zugriff auf Angebots- und Rechnungssoftware. Vier Tage ohne normale Auftragsabwicklung: moderater Umsatzausfall – plus Forensik und Wiederaufbau oft im vier- bis fünfstelligen Bereich.
Produktion: Stillstand schlägt IT-Kosten
Fällt Steuerungs- oder Planungs-IT aus, stockt die Produktion. Lieferverzug, Mehrschichten und Wiederanlauf können den sichtbaren IT-Posten übersteigen. Hier entscheidet die Betriebsunterbrechungslogik im Tarif.
Kanzlei & Praxis: Fristen und sensible Daten
Wenn DMS, PVS oder E-Mail ausfallen, leidet der laufende Betrieb unmittelbar. Kommen Mandanten- oder Patientendaten dazu, steigen Datenschutz- und Krisenkommunikationskosten.
Vertiefung: Online-Shops
Für E-Commerce gelten dieselben drei Kostenblöcke – mit einer Besonderheit: Der Umsatzverlust ist oft sofort sichtbar, wenn Checkout oder Warenkorb ausfallen. Im Peak kann ein zweitägiger Ausfall denselben Schaden erzeugen wie eine ruhige Verkaufswoche.
Ausführliche Rechenbeispiele, Peak-Szenarien und Shop-Checklisten: Was kostet ein Cyber-Ausfall im Online-Shop? · Cyberversicherung für E-Commerce.
Wann sich die Police lohnt
Nicht am niedrigsten Beitrag. Sondern wenn der realistische Schaden Ihren Betrieb spürbar trifft – und der Tarif genau diese Bausteine trägt.
- Umsatz, Produktion oder Mandantenarbeit hängen an IT-Systemen
- Sensible Drittdaten (Kunden, Mandanten, Patienten) werden verarbeitet
- Ein mehrtägiger Ausfall wäre liquiditäts- oder reputationskritisch
- Externe IT, Cloud oder Lieferantenketten erhöhen die Abhängigkeit
- Bestehende Policen (BHV, Sach) decken digitale Eigenschäden nicht ab (siehe Mythen)
Eine Police „lohnt“ sich dann, wenn Versicherungssumme, Betriebsunterbrechung und Datenschutzbausteine zum Betrieb passen – und Obliegenheiten (MFA, Backups, Patches) erfüllbar sind.
Hinweis: Pauschale Online-Preise sagen wenig. Was zählt, ist das Verhältnis von Beitrag zu Schadenbild – und ob der Vertrag im Ernstfall greift.
Warum Betriebshaftpflicht nicht reicht
Die Betriebshaftpflicht schützt typischerweise vor Personen- und Sachschäden Dritter. Forensik, digitale Betriebsunterbrechung und viele Datenschutzfolgen sind dort meist nicht oder nur begrenzt abgebildet. Vertiefung mit Vergleichstabelle: Cyberversicherung vs. Betriebshaftpflicht.
Checkliste vor dem Vorfall
- Kritische Systeme benannt? (ERP, PVS, DMS, Produktion, E-Mail)
- Tagesumsatz oder Tagesdeckungsbeitrag grob dokumentiert?
- Bestehende Cyberdeckung vorhanden – Summe und Wartezeit noch passend?
- MFA, Backups, Patch-Stand und Notfallkontakte geklärt?
- Schadenrechner einmal mit Ihrer Branche durchgerechnet?
- Wer meldet was – intern, IT-Dienstleister, Versicherer?
Häufige Fragen
Was kostet ein Cyber-Ausfall im Mittelstand?
Typisch: Betriebsunterbrechung plus IT-Forensik plus Datenschutzfolgen. Realistische Szenarien liegen oft im fünfstelligen Bereich – bei produktions- oder umsatzstarken Betrieben deutlich höher. Der HDI-Durchschnitt von 25.000 € ist kein Planungswert für abhängige IT.
Wann lohnt sich eine Cyberversicherung?
Wenn IT-Ausfall oder Datenleck finanziell spürbar wäre und der Tarif Forensik, Betriebsunterbrechung und Haftung/Datenschutz sinnvoll abbildet.
Gilt das auch für Online-Shops?
Ja – mit zusätzlicher Peak-Logik. Siehe Cyber-Ausfallkosten Online-Shop.
Nächster Schritt: Schadenbandbreite für Ihre Branche schätzen – oder kurz Ihr Set-up schildern. Wir melden uns bei Ihnen so schnell wie möglich.